Actionrun Malmö (SWE) – 08.06.2019

Da die Wettervorhersage für das Pfingstwochenende sehr sommerliche Hitze versprach und meine eigentliche Planung kurzfristig über den Haufen geworfen wurde, musste eine (temperaturmäßig) erträgliche Alternative her. Die schwedische Laufserie Actionrun war mir seit einiger Zeit bekannt und ich sah mir ab und an Videos zu den Läufen auf Fratzenbuch an. Welch glücklicher Zufall, dass doch just am Pfingstwochenende ein Lauf dieser Serie in Malmö gastierte. Austrian Airlines hatte einen günstigen Flug nach Kopenhagen im Angebot und mit einer rasanten Zugsfahrt über die beeindruckende Öresundbrücke war ich dann auch schon in Malmö angekommen.

Get ready for some action
Auf ihrer Homepage werben die Actionrunner mit „ActionRun ist einer der größten OCR- / Hindernisläufe Schwedens, die sich sowohl an Eliteläufer wie auch an Übende richtet. Eine wunderbare Mischung aus technisch unterhaltsamen Hindernissen …“ Zur Auswahl stehen dabei 5 oder 8KM mit 30 bzw 40 Hindernissen. Mit einem Preis (für die 8KM Distanz) von umgerechnet € 85 im etwas gehobenen Preissegment, aber Nordeuropa ist halt bekanntlich etwas teurer. Was bekommt man hier also für sein Geld? Einen perfekt organisierten Lauf, eine Mischung aus spaßigen und fordernden Hindernissen in hoher Qualität (da wackelt nix oder ist irgendwie hingewurschtelt), eine hübsche Medaille und eine tolle Strecke. Der Lauf in Malmö startete am Ribersborg Strand, führte dann durch den wunderschönen Schlossgarten und mit einer kleinen Schleife durch die Innenstadt endete der Lauf im Stadtkern am historischen Marktplatz (Stortorget).

Nachdem der Malmöer Bahnhof nur 5 Gehminuten vom Marktplatz entfernt liegt, holte ich mir bereits am Freitag die Startunterlagen und schlenderte ein wenig die Strecke ab. Die Hindernisse waren schon alle aufgebaut und wurden auch eifrig beübt bzw. dienten als Spielgerätschaften für den schwedischen(OCR) Nachwuchs 🙂

Auf dem Weg zu meinem Hotel bekam ich so mehr und mehr den Eindruck, dass diese Laufserie echt was zu bieten hat. Eine große Quaterpipe, zahlreiche Cargonetze, verschiedenste Rigs, Mauern in allen Varianten usw. fanden sich dicht getaktet auf dem Verlauf.

Der frühe Vogel fängt den Wurm
Aber der Actionrunner macht sich keinen Stress 😉 Unter der Devise hatte der Actionrun auch etwas Angenehmes an sich und zwar den allgemeinen Beginn um 12:00 Uhr. Genüsslich ausgeschlafen und ausgiebig am Frühstücksbuffet gestärkt, ging’s erst einmal in den nahegelegen Supermarkt um ein paar schwedische Leckereien zu besorgen. Der nächtliche Regen brachte angenehme Kühle und superfrische Luft, welche in mir die Vorfreude stetig steigen ließ. In 5 locker gejoggten Minuten gelangte ich dann gegen 11:30 Uhr zum Startgelände und schaute mir dort ein wenig das Treiben an.

Die zahlreichen Hindernisse auf dem Strandabschnitt durften probiert werden und dies nahmen die Teilnehmer dankend an. Unweit vom Start fand sich auch gleich ein recht anspruchsvolles Rig mit 2 kurzen Seilen, einem Nunjak,  einem Griff, einem „Stern“, einer vertikalen Stange und 2 Kugeln. Hier scharten sich die meisten Leute und berieten sich über die beste Technik. Ich probierte natürlich auch und entschied mich schnell dazu Handschuhe zu verwenden. Ein wenig ließ ich mir dann noch die Meeresbrise um die Nase streichen bevor es ans Aufwärmen der Schultern ging. Ich zählte am Plan 7 Rigs und war bis in die Haarspitzen motiviert diese zu meistern.

Auf ins Gefecht
Pünktlich um 12:04 Uhr wurde meine Elite Qualifier Startwelle losgelassen. Ein überschaubarer Haufen von etwa 40 AthletInnen zog los um sich die Ehre in der Elite starten zu dürfen zu erobern. Ich wollte es einfach für mein Ego mal probieren 🙂 Am Streckenplan waren für die 8KM 42 Hindernisse angeführt und so kommt man rechnerisch auf rd 190m Laufstrecke dazwischen. Die ersten 3 KM verliefen in Schleifen durch den Strandpark und am Sandstrand und dabei gab es gut zu tun 😉 Jegliche Mauervariantion (groß, klein, Sprossen, schräg) die man sich vorstellen wurde da schön postiert. Dazwischen ein kurzer Sandsacktrageabschnitt, ein Cargonetz Lowrig, das anspruchsvolle Rig … puhhh ich kam kaum zum Verschnaufen auf den Laufstücken. Am meisten nervte mich das Hindernis genannt „Under Under“. 20 Holzbalken die es zu unterqueren galt auf einer Länge von etwa 100m.

Zuerst kurz ins Meer und dann ab in den Sand zum Under Under = Hallo Schnitzelpanier 🙂 Hinlegen, Rollen, Aufstehen, 2 Schritte gehen, Hinlegen, Rollen, Aufstehen … 100m können sehr lang sein!

Es grünt so grün
Im Zickzack durch den Schlosspark verlief die Strecke dann hin zum Stadtzentrum. Die ansässigen Enten empfingen die schnaufenden Läufer mit lautstarkem Geschnatter und sahen verdutzt zu, wie ihre Gewässer durchquert wurden. Nach einer „Kombination“ aus 2,50m Mauer, Ringrig und Plattenrig bog die Strecke scharf links ab um gleich den Blick auf eine Wiese freizugeben, auf der sich erneut ein „Under Under“ fand. Pfaaaa meine Laune viel kurz ins Bodenlose. Hilft aber nix und es begann schnell das bekannte Spiel „Hoch und Nieder immer wieder“. Der dort abgestellte Volunteer feuerte nach Leibeskräften jeden an und zauberte auch mir mit seiner fröhlichen Art ein Lächeln aufs Gesicht … Well done Buddy, I can only imagine how this sucks” und mit einem Fistbump zog ich weiter. Ein weiteres Multirig und eine Seiltraverse entfachten ein Feuer der besonderen Art in meinen Schultern und so war ich froh als danach ein wenig mehr an Laufstrecke und eine Labestation folgte.

Das ungewöhnliche Ende naht
Im letzten Teil der Strecke führte der Verlauf über einen Friedhof. Ja richtig gelesen. Der alte Friedhof von Malmö liegt sehr zentral in einem Park und durch selbigen verlief die Strecke. Die Schweden scheinen die Dinge sehr locker zu nehmen. Bei uns wohl undenkbar aber hier lief man halt quer durch den Friedhof vorbei an (nonaned) gut gepflegteten Gräbern. Ein Schwenk über den gut bevölkerte Gustav Adolfs Platz mit Quaterpipe, Mauer und Cargopyramide ging es durch die Südgasse (Södergattan) hin zum Ziel am Hauptplatz. Anstelle einer Zielline erwartete die Teilnehmer aber eine letzte kernige Herausforderung. Es galt ein Laufband bergauf zu bezwingen.

Na servas … als ich die letzten Meter hin zu dem Monstrum schritt blickte ich auf die Laufbänder, die recht flott liefen. Natürlich fanden sich dort die meisten Zuseher die unter tobenden Applaus die Probanden nach oben pushten oder das Scheitern mit schallenden „ohhhhhhhhhhh“ quittierten. Ich schlängelte mich durch auf die gegenüberliegende Seite und lies erst mal einen Läufer sein Glück versuchen. Er strauchelte zwar etwas im oberen Teil, schaffte es aber alles in allem souverän und wurde bejubelt. Kurzer Blick nach links … gut alle schaun sich an keiner will so recht … wurscht probier mas. Den Sprint im kurzen Vorfeld aufgebaut ging es bis etwa 1m vor Ende schneidig gegen den Strom. Doch dann kam ein kleiner Wackler im Schritt der sich schlagartig zum Bauchfleck aufbaute. Mit Müh und Not hechtete ich nach vor und kam auf der Kante im Stütz zu stehen und zappelte mich verzweifelt hoch. „uhhhhh“ „ohhhhh“ „ahhhhhhhhhhh“ … die Menge im Hintergrund hatte ihren Spaß mit meiner Darbietung. Stilistisch schön war mein Finale nicht aber geschafft hab ichs 🙂

Mein Fazit
Die Actionrunserie bietet in Summe 5 Läufe in verschieden Städten Schwedens. Dabei gibt es immer 5 oder 8KM als Laufdistanz zur Auswahl und die volle Ladung an Hindernissen. Ein wahrer Hindernisorgasmus :-). Ob ambitionierter Eliteläufer, motivierter Hobbysportler oder Vertreter der Spaßfraktion die gemeinsam einen Hindernislauf bestreiten möchte. Hier haben alle ihren Platz und finden sich im Entsprechenden Regelumfeld wieder. In Skandinavien werden solche Läufe wesentlich besser aufgezogen und ernster genommen als in unseren Breiten, sodass jeder der sich hier eine Qualifikation für OCR EM oder WM erläuft dies hart/redlich verdient. Sinnlose Strafübungen gibt es beim Actionrun nicht. Der Fokus liegt auf der Bewältigung der Hindernisse. Dieses Umfeld und auch die Ernsthaftigkeit mit der die Teilnehmer in Wertungsklassen starten, gefallen mir außerordentlich gut. Aber auch Anfänger und Spaßläufer profitieren enorm, da ihnen die Möglichkeit gegeben wird ohne Druck an Hindernissen zu üben und dazuzulernen. Obendrein gibt’s auch ein schickes schwarzes Blech 🙂

Florian „schwerverliebtindennorden“ Zuschnig

Die Fakten:
Streckenlänge: lt Plan 8KM, lt Aufzeichnung 7,5KM
Höhenmeter Anstieg: 20
Hindernisse: 42 (Achtung Under Under wird als 1 gezählt 🙂 )
Labestationen: 2 auf der Strecke und Ziellabe

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