Bieg Katorznika, 11.08.2018

Im Vorjahr noch eine reine Herrenformation, verschlug es heuer eine große gemischte Abordnung der union dirtrun.company zum legendären 12 Kilometer langen Bieg Katorznika nach Lubliniec in Polen. Im Vorfeld hört man so einiges über diesen Lauf, das einen recht intensiv darüber nachdenken lässt, warum man da eigentlich genau hinfährt. Aber es ist ganz klar die Medaille, die wohl jeder hartgesottene Dirtrunner früher oder später gerne in seiner Sammlung hätte. Also nichts wie auf zu unseren polnischen Freunden.

Das Rundherum

Die Anreise mit dem Auto verläuft recht unkompliziert. Das gebuchte Hotel (Hotel Alhar) bot zumindest für einen Teil unserer Gruppe alle Annehmlichkeiten. Der andere Teil hatte eine eher bodenständige Unterkunft gewählt, die sich nicht nur ganz in der Nähe des Laufes befindet, sondern wohl auch ganz zu dessen ursprünglichem Ambiente passte.

Der Renntag

Am Samstag können wir uns angesichts der angenehmen Startzeiten, erst um Mittag herum, ein ausgedehntes Frühstück erlauben. Es mag auf den ersten Blick ein bisschen gewöhnungsbedürftig sein, dass Damen und Herren getrennt starten. Im Laufe des Tages erweist sich dies aber doch als recht angenehm. Das Gelände befindet sich in einem großen Waldstück, in dem es ausreichend Parkmöglichkeiten gibt. Spätestens ab der Startnummernausgabe sind wir dann mittendrin im sehr ursprünglichen, aufs Wesentliche reduzierten, polnischen Sportambiente.

Registrierung

Die Registrierung erfolgt trotz sprachlicher Barrieren so reibungslos, wie wir es von Sportveranstaltungen im Osten gewohnt sind. Zu zwei Startnummern, die verpflichtend vorne und hinten angebracht werden müssen und wegen des darin enthaltenen Zeitnehmungschips tunlichst wieder mit ins Ziel gebracht werden sollten, erhalten wir ein T-Shirt sowie ein Getränk und zwei Riegel. Unsere Herren bereiten sich nun bereits auf den Start um 11 Uhr vor, der landschaftlich eigentlich sehr schön an einem See liegt.

Teamfoto Bieg Katorznika

Ducttape

Die Damen dürfen den fulminanten Start beklatschen und folgen ihrerseits um 12 Uhr. Beim Bieg Katorznika sieht die Startvorbereitung im Übrigen so aus, dass die Schuhe mit Ducttape, das aus unseren Taschen nicht wegzudenken ist, an die Füße sowie die Startnummern an das Shirt geklebt werden. Manch einer trägt Schienbeinschoner, manch einer nicht, alle aber sind nun fertig aufgemotzt und nach kurzem polnischen Einschwören, Anheizen und Runterzählen geht es auch schon auf die „Strecke“, bei der einmal der See umrundet wird.

Schuhe Bieg Katorznika

Auf in den Dreck

Der erste gefühlte halbe Kilometer wird ausschließlich im brusthohen Wasser watend zurückgelegt, bis man zum ersten Mal rechts in den Schilfgürtel abbiegt. Spätestens jetzt merkt jeder Newbie, worauf er sich eingelassen hat. Der Untergrund besteht bei diesem Lauf zu 90% aus Wasser, Schlamm und Morast. Mal knöcheltief, mal brusttief, mal so tief, dass man schwimmen muss. Will man im knie- oder hüfttiefen Wasser auch nur kurz einen Zahn zulegen, merkt man sofort, dass dies für die Beinchen aufgrund des permanenten Wasserwiderstandes durchaus anstrengend werden kann.

In der ersten Hälfte verläuft die „Strecke“ parallel zum See und führt fast ausschließlich durch Bäche, Kanäle und Entlastungsrinnen mit sehr unterschiedlichen Temperaturen. Trockenen Fußes überwindet man lediglich kurze Verbindungswege, um von einem Wasserbett in das nächste zu gelangen. In der Zwischenzeit wird das Gelände immer morastiger und der Inhalt der Kanäle immer dunkler und zähflüssiger. Der Geruch erinnert stark an faule verwesende Eier. Im Laufe der Zeit überlegt man sich immer wieder, welche Tierchen diesen Sumpfgürtel, durch den man gerade spaziert, wohl bewohnen mögen.

Ungefähr bei der Hälfte gibt es erstmals eine längere Laufstrecke durch den Wald. Eigentlich freut man sich mittlerweile über jeden Meter, den man „an Land“ zurücklegen darf. Diese Freude wird allerdings dadurch getrübt, dass die Schuhe bereits voll von Schlamm und Morast sind und dementsprechend immer kleiner und enger werden. In der zweiten Hälfte legt der Schlammfaktor nochmals zu, obwohl man dies an dieser Stelle schon nicht mehr für möglich halten mag. Abgesehen davon sind die Kanäle kreuz und quer völlig durchsetzt mit Steinen und morschen Baumstämmen. Angesichts der mangelnden Sichtbarkeit machen sich hier Schienbeinschoner durchaus bezahlt.

Schwarz schwärzer Bieg Katorznika

Ein Stolpern wird umgehend mit komplettem Eintauchen in die schwarze Brühe bestraft. Um dies zu minimieren gibt es ein relativ gut funktionierendes System des Informierens des jeweiligen Hintermannes bzw. der Hinterfrau, falls das unsichtbare Hindernis nicht ohnehin bereits durch einen mehr oder weniger eleganten Sturz offensichtlich geworden ist. Aber auch dann gibt es wieder einen Lichtblick, denn es folgt eine durchaus sehr schöne Laufstrecke durch den Wald, die direkt zu einer Labestation mit Wasser, Isogetränk und Trinkjoghurt führt. Nach einer willkommenen Stärkung geht es weiter durch die morastigen Kanäle, die mit kurzen Laufpassagen wechseln.

Zielgelände

Bedingt durch das sumpfige Wald- und Seegebiet ist die Landschaft im Übrigen durchaus als schön zu bezeichnen und so lacht das Läuferherz spätestens jetzt mit der um diese Zeit aus der Wolkendecke hervorlugenden Sonne um die Wette. Das kreuz und quer Laufen bringt mit sich, dass einem die Orientierung ein wenig verloren geht und so ist die Überraschung groß, als der Wald urplötzlich aus ist und man sich so gut wie im Zielgelände wiederfindet. Nach einer Runde über den Steg geht es unter großem Hurra unter dem Zielbogen durch und man nimmt als Belohnung für die Mühen die wohl spektakulärste Medaille überhaupt entgegen.

Power

Saubermachen auf Polnisch

Zu dem eingangs erwähnten spartanischen Ambiente gehört natürlich auch, dass es beim Bieg Katorznika keine Duschen gibt. Zum groben Säubern geht es statt unter eine wohlig warme Brause schlicht und einfach wieder zurück in den See. Kaputte, allzu verdreckte Ausrüstung darf gleich da gelassen werden. So ist nach einem wohlverdienten Zielbier der Tag, über dem anfangs so viele Fragezeichen gestanden sind, auch schon wieder vorüber.

Plan Bieg Katorznika

Fazit

Abgesehen davon, dass man diesen Kultlauf früher oder später einfach „machen muss“, ist der Spaßfaktor enorm. Mit einer heuer sogar verkürzten und entschärften Strecke kommt hier eine breite Reihe von Sportlern voll auf ihre Kosten. Die rudimentäre Organisation ist gut, die Polen sind urig-herzlich. Essen und Trinken sind nicht zu beanstanden, sogar das Wetter war perfekt. Kurz gesagt, wir sind ein Fan dieser Veranstaltung und kommen gerne wieder.

(Kristina Wascher)

 

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Bericht vom Bieg 2017: hier