Wörthersee Ultra Trail (AUT) – 21.09.2019

Der Anreisetag
Freitagnachmittag … die Sachen sind gepackt, der Hund im Auto und da war es dieses komische Gefühl irgendetwas vergessen zu haben. Also zurück ins Haus, 3 Runden gedreht, im Kopf alles noch mal durchgegangen und nichts Auffälliges gefunden. (Ich sollte mich täuschen aber dazu später mehr.) Also zurück ins Auto, Hund abliefern und meine Streckenbetreuung Andi einsammeln. So machten wir uns auf den Weg zum Abenteuer Wörthersee Ultra Trail in unsere Unterkunft welche wir gegen 21:00 Uhr erreichten und von Alexandra (Chefin der Pension Pack) herzlich begrüßt wurden.

Wir bezogen unser Zimmer, ich fing an mir meine Laufsachen für den morgigen Tag bereitzulegen und da war es nun das böse Erwachen. Meine Laufhose fehlte! In Jeans 72km zu laufen war keine Option und eine 2. Laufhose hatte natürlich niemand dabei. Was nun dachte ich schon verzweifelt!?

Da kam die rettende Idee von Andi (welcher eine kurze Damenlaufhose mithatte. Und ich meine wirklich KURZ 🙂 . Es wurde der Plan ins Auge gefasst mit ihrer Hose zu starten und sie würde zwischenzeitlich eine ordentliche Laufhose kaufen fahren und mir diese zum Pyramidenkogel bringen. Gott sei Dank passte die Hose somit stand dem Plan nichts mehr im Wege und wir konnten beide wieder darüber lachen. Nun hieß es warten auf meinen deutschen Lauffreund Uli, welcher meine Startunterlagen abgeholt hatte und dann ab ins Bett, denn der Wecker sollte ja um 04:00 Uhr schon läuten.

Start in den Renntag
04:00 Uhr Tagwache, rein in die Laufsachen, das kurze “Spielhöschen” angezogen und ab zum Frühstück. Alexandra die Chefin stand extra früh auf und machte uns Frühstück! Um 05:00 Uhr fuhren wir nach Pörtschach, wo ich Mike von der union dirtrun.company traf. Als guter Freund konnte er sich natürlich eine Spitze gegen mein “sexy” Höschen nicht verkneifen 🙂 . Noch kurz die Pläne jedes einzelnen durchgegangen und dann war es auch schon Zeit zu starten.

Auf in die Umrundung
Uli, Mike und ich starteten zusammen und einigten uns darauf, die ersten Kilometer zusammen zu laufen und uns dann je nach Tempo zu trennen. Relativ früh merkte ich, dass es mir trotz des wenigen Trainings gut ging und so zog ich das Tempo etwas an. Es ging über schöne und einfache Trails dem Sonnenaufgang entgegen.

Um 07:50 erreichte ich nach 15km als erster von uns Dreien die Labe in Velden. Während ich mich stärkte und mir Mikes Frau freundlicherweise ein Taschentuch aus dem Auto holte, genoss ich den Blick über den Wörthersee welcher sich gerade durch die Nebeldecke zeigte.

Weiter ging es über die Promenade in Richtung Pyramidenkogel. Man traf die ersten Morgenläufer auf ihren Runden und wir  bogen in die nächsten Trails ab. Ich kam flott voran und verspürte keine Müdigkeit in den Beinen. Meine einzige Sorge war es, mir einen Wolf wegen dem kurzen Höschens zu laufen. Aber die Labe wo hoffentlich meine neue Laufhose wartete war ja nur mehr knapp 20km entfernt.

Gegen 08:00 Uhr traf ich Renato der als Streckenposten fungierte und welcher mich kurz instruierte wie weit es noch bis zum Kogel wäre. Kurz vor 09:000 Uhr tauchte er dann vor mir auf. Noch schnell eine Forststraße hoch, die Aussichtswarte hinauf und hinunter da kam mir auch schon Uli entgegen und ich beschloss unten auf ihn zu warten. Also weiter hinunter Getränke auffüllen und da war sie … Andi mit einer Laufhose. Ich glaube ich habe mich noch nie so über eine Laufhose gefreut wie zu diesem Zeitpunkt.

Der heiß ersehnte Boxenstopp
Ich wechselte also mein Beinkleid und kurz darauf kam auch Uli schon angelaufen. Andi feuerte uns an und motivierte uns, so begaben wir uns auf den Weg Richtung Klagenfurt. Die Downhillpassagen wurden steiler und ich drückte (wie immer) bei diesen aufs Tempo. Uli meinte noch ich solle dies überdenken da mein Laufstil voll auf die Knie ginge. Leider zu spät. Ein Knacks im linken Knie und es schmerzte. Ärgerlich, wäre es mir doch konditionell überraschend gut gegangen. So musste ich Uli leider ziehen lassen und nahm das Tempo heraus. Auf Grund der Tatsache, dass die Bergabpassagen am meisten schmerzten, musste ich auf diesen auf Gehen umstellen und versuchte zumindest bergauf und im flachen noch etwas Tempo zu machen. 8km vor Klagenfurt wurden die Schmerzen immer schlimmer und ich bat Andi mich irgendwo in Klagenfurt abzufangen um mich zu tapen. Ich hegte die Hoffnung mich dadurch irgendwie ins Ziel retten zu können.

In der Zwischenzeit hatten mich so auch wieder einige Läufer ein- bzw. überholt geholt und ich kämpfte mich weiter nach Klagenfurt durch. Schnell das Knie getaped und weiter Richtung des 50km Time Cuts. Ganz in Musik vertieft dachte ich gar nicht an die Uhr und realisierte erst bei dem Rime Cut Labe, dass ich noch mehr als 2 Stunden Zeit hatte. So entschloss ich mich mir Zeit zu nehmen um mich zu stärken und das Knie etwas zu entlasten. Schließlich standen noch 21km und ca 1000 HM an.

Weiter ging es durch Klagenfurt und einen Park. Dieser war leider die einzig schlecht markierte Stelle des Laufes und soch bog ich zu allem Überdruss natürlich falsch ab. Zum Glück merkte ich den Fehler schnell und so wurden es nicht allzu viele extra Meter.

Ein schmerzhaftes Ende
Die ersten Kilometer funktionierte der Plan mit dem Tape perfekt und ich kam für die Umstände noch recht zügig voran. Doch dann begann sich das Tape leider zu lösen und die Schmerzen wurden schlimmer. 12km vor dem Ziel wurde es leider so schlimm, dass ich keinen Meter mehr laufen konnte und nur noch humpelte.

Meine Zeit brach auf 15min/km ein und ich rechnete ob der Time Cut mit 19:00 Uhr im Ziel überhaupt noch erreichbar wäre. Ein positives Ergebnis meiner Überschlagsrechnung ließ jedoch Hoffnung aufkeimen und so ging es weiter. Kilometer für Kilometer, Höhenmeter für Höhenmeter. Die Gefühle spielten verrückt. Von aufgeben, Wut auf mich selbst, Tränen, Schmerz und geistigen A…tritten an mich selbst war alles dabei.

Dank Livetracking hatte Andi immer einen Überblick wo ich gerade war und das meine Zeiten einbrechen. Sie motivierte mich daraufhin mit Anfeuerungsnachrichten per Handy :-). Es kam eine kurze Asphaltpassage und komischer weise konnte ich da recht gut laufen. Kurz darauf kam eine weitere Labestation und in mir kam die Hoffnung auf, dass es mit den Höhenmetern nun vorbei sein würde.

Dieser Illusion wurde ich aber durch die netten Damen an der Labe aber sofort beraubt. Sie brachten mir Kuchen und etwas zu Trinken und meinten „ nur mehr die Gloriett hoch dann hast es geschafft!“ Ich dachte nur ok hoch geht aber wo es hoch geht muss es auch wieder runter gehen. Das war aber zu diesem Zeitpunkt mein größtes Problem. Das Knie abwinkeln und dabei belasten schmerzte extrem.

Hilft nix weiter die Gloriett hoch und runter im Seitwärtsgang. Gefühlt hätte mich bergab eine Schnecke überholt. 309 Meter ins Ziel Asphalt und eben. Also biss ich die Zähne zusammen und lief ins Ziel, denn ich wollte um keinen Preis über die Ziellinie gehen. Nach Auslösen der Zeitnehmung in 11 Stunden und 12 Minuten fiel ich auf die Knie und die Emotionen übermannten mich. Ich war so glücklich darüber im Ziel zu sein, dass ich in Tränen ausbrach und nichts mehr um mich herum war nahm. Es dauerte ewig bis ich realisierte, dass Andi und Uli im Zielbereich waren und das Andi mich umarmt und gestützt hatte. Humpelnd schleppte ich mich auf einen Sessel, umarmte Uli und brach wieder in Freudentränen aus. Dies war der schmerzliche und doch schönste sowie emotionalste Zieleinlauf für mich. Uli brachte Cola und Bier er fragte was ich den gerne hätte, blöde Frage Cola gegen den Durst und Bier für dem Genuss 🙂

WSUT wir sehen uns wieder!

Ich möchte an dieser Stelle noch danke sagen: an meine Familie die mir bei so etwas den Rücken frei halten und mir Kraft geben. An Andi die es sicher nicht leicht hat mit einem verrückten wie mir und mir dennoch den Race Support macht, meine Beine massiert und mich unterstützt. An Uli, dass er sein Versprechen eingelöst hat und das er 2020 mit mir wieder starten wird. Mit neuen Zielen denn nur bloßem Durchkommen 🙂

Und natürlich an die vielen Verrückten der udc die einen immer motivieren und Kraft geben.

Daniel Leitgeb

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