Tough Mudder Kapstadt (ZAF) – 19.10.2019

Wenn man in Afrika einen Dirtrun machen kann, dann in Südafrika. Das lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen und verbinden, für unser Wiedersehen im Oktober nach meiner dreimonatigen Reise durch Tansania, das Schöne mit dem Sportlichen: Die Garden Route per Mietauto und gleich zu Beginn der Tough Mudder in der Nähe von Kapstadt.

Total motiviert im Voraus melden wir uns für die „Full-Distanz“ von 16 km an – da bedenken wir nicht, dass wir beide das ganze Jahr so gut wie gar nicht trainiert haben. Naja… Was uns nicht umbringt…

Motivation und Optik
Pünktlich und vorbereitet wie wir sind, treffen wir bereits um 07:30 Uhr – wie vom Veranstalter empfohlen zwei Stunden vor Start – am Gelände ein. Noch zählen wir zu den ersten Läufern und es wird erst alles aufgebaut. Zeit genug um im Auto unser Frühstück zu verspeisen und uns noch zu stärken.

Bei der Registrierung bekommen wir nur zwei Papierbänder umgebunden. Keine Startnummer, kein Zeitnehmungschip. Wir sind verwundert und fragen nach. Mit einem musternden Blick auf unsere dirtrun.company-Shirts werden wir gefragt: „Seid ihr Eliteläufer?“ Da könnte man sich glatt geehrt fühlen. Mit einem schwachen Lächeln müssen wir verneinen… Zeitnehmung gibt es also nur für die Elite. Aufgrund unseres körperlichen Zustands sind wir direkt ein wenig erleichtert. Also: No pressure!

Die Registrierung und der Bagcheck laufen rasch und problemlos. … Und schon stehen wir in der zweiten Welle am Start und scharren die Hufe. Mit im Gepäck: Unsere Selfmade-GoPro alias wasserdichte Einwegkamera (wir sind echt gespannt auf die Fotos… 🙂

Die Eroberung von udc Land 30 beginnt
Mit 15 Minuten Verspätung und nach einem kurzen Aufwärmen geht’s los. Die gesamte Strecke ist sehr hügelig, meist über Schotterstraßen. Im Gegensatz zu Österreich und Umgebung sind wir hier nicht umgeben von saftigen Wiesen und Wäldern, sondern von unendlichen Weiten dürrer Steppe, gespickt von Büschen und einzelnen Blümchen. Immer geht es ein bisschen bergauf und bergab. Meine im Laufe des Jahres abhanden gekommene Kondi schnauft aus dem letzten Loch, aber alleine die Tatsache gerade mit dem Vereins-Shirt und der Österreich-Schleife um die Wade durch Südafrika für die dirtrun.company zu erobern gibt Energie.

Die ca. 22 Hindernisse stehen recht gut auf der Strecke verteilt. Jedes Hindernis darf ausgelassen werden – darauf werden wir beim Start zwei Mal hingewiesen. Von diesem Angebot machen wir aber NATÜRLICH keinen Gebrauch und probieren zumindest alles mal aus. … Auch wenn ich aufgrund Trainings- und daher Kraftmangel meistens im Wasser lande. 😉

Ich habe bisher hauptsächlich Spartan Races gemacht und habe daher nur diese Hindernisse als Vergleich. Was gleich auffällt: Bei vielen Hindernissen ist Teamwork nicht nur gefragt, sondern notwendig! Boxen, die sich im Wasser drehen und nur als Team bewältigt werden können. Riesig hohe Wände, die auch kaum ohne Hilfe bewältigt werden können. Hero Carrying, bei dem der Laufpartner 50m getragen werden muss. Hohe Slipperywalls ohne Seile mit Wassergraben vor dem Absprung, die auch für große Männer alleine schwer erklimmbar sind.

Wasser, Wasser, Wasser
Außerdem haben viele Hindernisse einen Wasserbezug (manche für alle, andere nur für jene die derzeit so schlecht trainiert sind, wie ich). Das Multirig über Wasser. Frei schwingende Ringe über Wasser. Ein Container mit Eiswasser (Brainfreeze deluxe bei den heißen Außentemperaturen! Getting Tough lässt grüßen…). Robben unter Strombändern in Salzwasser (wegen der besseren Leitfähigkeit warats…).

Für mich gänzlich neue Hindernisse sind auch dabei: Einen Geburtskanal (heißt nicht nur so, fühlt sich auch so an…), bei dem unter mit Wasser gefüllten Planen verkehrt durchgerobbt werden muss. Plastikrohre, die bergauf gerobbt werden müssen und die in einem Wasserbecken enden. Ein Wald an Strombändern, durch die man durchlaufen muss – wiederum mit den Füßen im Salzwasser versteht sich.

Die Klassiker wie Holz tragen, unter einem Netz durchgehen und unter dem Stacheldraht robben haben auch nicht gefehlt.

Was uns auf der Strecke gleich auffällt: Teamwork steckt nicht nur im Slogan von Tough Mudder. Hier wird es auch tatsächlich gefühlt und gelebt. Kaum jemand wirkt gestresst und alle nehmen sich viel Zeit sich gegenseitig zu helfen und motivieren. Nur ein Deutscher bleibt mir im Gedächtnis, der beim Multirig hinter mir hängt und mich anbrüllt während ich mit meinen letzten Kräften und Nerven kämpfe: „Mach weiter! Los! Mach schon! Sonst muss ich vorbeikommen! Jetzt komm schon! Ok, dann komm ich jetzt vorbei!“ Der hat wohl bisher noch nicht gelernt, dass man erst beginnt, wenn der Vordermann oder die Vorderfrau fertig ist… Papperlapapp! Das bleibt aber auch das einzige Ärgernis beim ganzen Lauf.

Blech oder doch nicht?
Halt! Stop! Nicht ganz… Im Zielbereich stellen wir fest: Die vorbereiteten Medaillen gibt es nur für die Eliteläufer. Wir müssen uns mit einem (totschicken) orangenen Stirnband begnügen. Dabei wären wir so stolz gewesen ein Blech aus Südafrika auf unserer Wall of Fame zu Hause aufhängen zu können.

Zwar ohne Medaille, aber dafür mit einem Strahlen im Gesicht, Stolz in der Brust und megacoolen Bildern im Kopf geht es daher ab auf die Garden Route. Was für ein Highlight schon zu Beginn dieser Südafrika-Reise.

Anja „DieWeltenbummlerin“ Netopilek

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